Ballonfahrt - ein großartiges Erlebnis - Annette von oben, Stefan von unten
- Stefan J. Rümmele
- 2 days ago
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Updated: 5 minutes ago
18:38 Uhr:
Annette: Wir sitzen noch sehr entspannt im Flugplatzgarten und warten auf die Dinge, die da kommen sollen.
19:47 Uhr:
Stefan: Flugplatz Atter. Endlich geht's los. Nach monatelangem Warten. Die Stimmung ist erregt bis heiter - bestes Sommerwetter, leichte Anspannung - nein gespannte Vorfreude bei den Ballonfahrerinnen und -fahrern.

19:55 Uhr:
Stefan: Der Einstieg in den auf der Seite liegenden Korb: eher unkonventionell, dafür (fast) ohne Kletterübung. Die Zwei liegen vor dem Abheben geschichtet wie in einer Bienenwabe - ganz nah beim Piloten, der das Balloninnere mit Gasflamme befeuert.
Annette: Ein merkwürdiges Gefühl - noch nie gespürt. Freude, Spannung gepaart mit einer Portion Übermut. Ich habe lange auf diesen Moment gewartet.
20:01 Uhr
Stefan: Und ab geht's in die Lüfte... Der Pilot fordert uns auf, Reinhard Meys "Über den Wolken anzustimmen". Die Sangesfreudigen unter uns folgen der Einladung. Zum Glück: Alles gut gegangen beim Start, auch wenn der Korb anfangs etwas schief hängt. Schnell gewinnt der Ballon an Höhe...
20:04 Uhr:
Annette: Schon kurz nach dem Start: ein atemberaubender Blick auf den Flugplatz und in den Abendhimmel. Meine Lieben werden zu Zwergen und veschwinden. Mir stockt der Atem.
Die Technik im Ballon ist beeindruckend und trotzdem fühlt sich die Fahrt im offenen Korb in hoher Höhe wie ein Abenteuer aus dem 19. Jahrhundert an. Das gefällt mir.
Blick nach Westen zum Flugplatz aus hoher Höhe.

Stefan: Mann sind die schon hoch. Justin fragt mich: Wie hoch wohl? Schätzungsweise 500 Meter? Wird schon alles gutgehen...
20:05 Uhr:
Annette: Neben mir eine Osnabrückerin, die freudestrahlend die Stadt beschreibt. Ich erkenne sehr gut den Rubbenbruchsee und atme die Stille. In solchen fantastischen Momenten bräuchte ich nicht unbedingt so viele Kommentare, aber das sollte sich noch ändern.

Meine Begeisterung wächst. Was sind wir doch für kleine Wesen auf dieser wunderbaren Erde. Der Blick so weit, gefühlte Unendlichkeit. Wenn alle einmal ruhig sind, schwirrt die Stille. Eine Stille, die unten niemals zu hören ist.
20:08 Uhr: Blick Richtung Hasbergen
Annette: "Wo wohnst du?" fragt mich meine Nachbarin, nachdem sie ausführliche Erklärungen zur Stadt abgegeben hatte. "Hier in diese Richtung - dahinten müsste Hasbergen liegen."

20:21 Uhr
Stefan: Der Ballon verharrt aus meiner Sicht in großer Höhe quasi bewegungslos auf der Stelle. Also kann ich mir mit der Verfolgungsfahrt am Boden Zeit lassen. Ganz langsam bewegt sich das Flugobjekt stadteinwärts.

20:22 Uhr Blick Richtung Bahnhof
Annette: Unter uns die Stadt Osnabrück. Dank meiner Nachbarin werde ich gut aufgeklärt. Gefühlt stehen wir. Kein Windchen regt sich - genügend Zeit, sich ausgiebig umzusehen und zu orientieren. Immer wieder feuert unser Pilot. Dann steigen wir höher. Doch auch hier, wenig Bewegung in der Luft. Also wieder runter. Die Eindrücke sind gigantisch.

Weitblicke
20:23 Uhr Illoshöhe

20:30 Uhr
Stefan: Bin über die Rheiner Landstraße in Richtung Illoshöhe gefahren. Jetzt scheint der Ballon in deutliche geringerer Höhe - fast in Rufweite - direkt über mir zu schweben. Wenn's in dem Tempo weitergeht, werden die "Luftikusse" kaum über die Stadtgrenze hinausgelangen...

20:32 Uhr Südwesten Weitblick

Annette: Noch steht die Sonne tief als Feuerball am Horizont. Es kann nicht mehr lange dauern. Ich bin sehr gespannt auf diesen Moment, wenn sie eintaucht und verschwindet. Ich staune Richtung Westen.
Ein Gefühl von Dankbarkeit erfüllt mich. In meinem Alter, so einen gigantischen Moment. Eine malerische Inszenierung der Natur.
20:56 Uhr Stadtblick: Sonnenuntergang

Annette: Ja, genau dafür habe ich mir diese Fahrt gewünscht und im letzten Jahr von meiner Familie zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich verstehe langsam, warum man Geduld aufbringen muss. Viele Bedingungen müssen stimmen, damit der Pilot starten kann. Es darf nicht windig sein, keine Gewitter bevorstehen und nicht regnen. Nebel und ähnliche Wetterkapriolen schieben ebenfalls einen Riegel vor. Scheinbar haben wir optimale Voraussetzungen. An Bord ist etwas Ruhe eingekehrt. Alle genießen und staunen.
21:01
Stefan: Nach kleiner Verfolgungsjagd durch die Wüste und den Wall habe ich den Blickkontakt zwischendurch leider verloren. Werde etwas nervös. Wo sind sie jetzt? Plötzlich taucht der Ballon in sehr niedriger Fahrt am Rosenplatz direkt wieder vor mir auf. Will der Pilot hier schon landen? Das geht doch gar nicht!? Sonnenuntergang ist laut Wetter-App für 21:19 vorhergesagt - also in 18 Minuten, nicht mehr lange... Ich navigiere weiter durch den Samstagabendverkehr.

Annette: Wir sind tief über der Stadt. Ich erkenne den Rosenplatz. Hier kann man nicht landen. Aber wir haben noch genügend Zeit. Die Stimmung im Korb ist großartig, denn wir genießen die Blicke und vertrauen auf unseren Piloten, dass er zu gegebener Zeit einen Platz findet. Langsam wird es dunkel, auch hier oben.
21:05 Uhr
Stefan: Oha, sieht so aus als wollte der Pilot jetzt irgendwo mitten in den Schrebergärten am Kalkhügel niedergehen. Keine so gute Idee! Aber es ist ja noch Zeit...
21:19 Uhr

Annette: Unser Pilot scheint langsam etwas nervöser zu werden. Ich stehe direkt neben ihm und erlausche einen Funkverkehr mit dem Bodentross. Sie sollen zu Fuß herbei eilen und den Ballon auf eine nahe Wiese ziehen. Er wirft ein Seil und flucht, als er die Antwort hört. Der Bodentrupp ist nicht nahe genug.
21:20 Uhr Sonne ist komplett weg. Tiefflug über Tannenschonung

21:25 Uhr
Stefan: Endlich ein geeigneter Landeplatz in Sicht - am Rande von Kalkhügel/Richtung Sutthausen. Doch der Ballon wird weiter abgetrieben, langsam aber unaufhaltsam Richtung Strommasten und Autobahn. So ein Mist. Das Bodenteam der Ballonfahrer wird zusehends nervöser. Es gibt hier kaum befahrbare Wege. Und dem Piloten droht das Gas auszugehen. Er bricht die Kommunikation mit dem Bodenpersonal ab, muss sich jetzt voll und ganz auf die immer prekärer werdende Lage konzentrieren. Hoffentlich kommen alle heil runter...
Die Dämmerung schreitet voran. Mir wird langsam mulmig zumute.

21:36 Uhr
Annette: Wir müssen wieder hoch. Unser Pilot feuert kräftig, denn nun stellt sich bedrohlich die Überlandleitung in den Weg. Bei gerade mal 3 km/h. Das ist langsame Gehgeschwindigkeit. Gefühlt stehen wir über der Stromleitung, dann über der Eisenbahn und der Autobahn. Der Pilot schwitzt und rüttelt an der Gasflasche. Seine sauberen hochtechnischen Geräte verraten ihm, was er auch spüren kann. Ich vertraue und werfe ihm einen aufmunternden Blick zu.

21:37 Uhr sichtbar dunkel über dem Hörner Bruch

Annette: Keine Fotos mehr. Wir sollen die Handies in unseren Taschen verstauen und uns festhalten. Es kann rumpelig werden, sagt der Pilot. Aber es dauert. Wir verfolgen zunehmend schweigend, was da noch so auf uns zukommt. Der kleine, tapfere Junge an Bord beginnt zu weinen, aber der Pilot findet die richtigen Worte, um ihn und nicht nur ihn zu beruhigen.
Ich fühle keine Angst, aber sehr großen Respekt vor der exorbitanten Verantwortung dieses Piloten, der nun das Geschehen alleine managen muss. Sehr langsam schaukeln wir neben dem Hörnerbruch einer Wiese entgegen. Mittlerweile werden wir von Schaulustigen und Menschen, die uns helfen wollen, verfolgt. Der Pilot ruft sehr laut:
Zieht uns auf die Wiese - nehmt das Seil verdammt - nehmt das Seil.
Ein größere Menge Menschen sucht nach dem Seil in der Dunkelheit über dem Wald auf einer Wiese irgendwo im Hörner Bruch. Ich setze mich auf den Boden und halte mich fest.
Plötzlich ein riesen Schlag und wir stehen. Mein Arm schlägt an die Bordwand. Meine Nachbarin fällt auf mich, aber wir sind unten und zu guter Letzt bedeckt uns der Ballon eng wie in einem luftdichten Zelt. Das ist das erste Mal, dass es mir wirklich reicht! Eingeschlossen sein ist das Letzte. Die vielen Menschen ziehen an dem Ballon und befreien uns.
Als ich auftauche, steht mein Schatz an der Bordwand. Wo kommt er jetzt her? Wir fallen uns in die Arme.
22:06 Uhr
Stefan: Ich rase zunehmend kopflos mit dem Auto durch die engen Sträßchen von Sutthausen, Grobrichtung Hörner Bruch. Von dort schickte mir Annette die letzte Mitteilung. Den Sichtkontakt hatte ich längst verloren, auch den Kontakt zum restlichen Bodenpersonal. War jetzt auf eigene Faust unterwegs.
Auf einem kleinen Waldweg bremst mich ein Schlagbaum. Ich beschließe per pedes weiterzugehen. Kurz nach dem Aussteigen höre ich die unverwechselbaren Geräusche des Gasbrenners. Also sind sie noch irgendwo in der Luft. Aber wo? Hier ist überall Wald. Ich renne einigermaßen planlos durch den fremden Wald, immer den Geräuschen folgend. Mein Herz pocht bis zum Hals. Hoffentlich geht alles gut. Es ist inzwischen stockfinster. Vielleicht kann ich noch zur Landung vor Ort sein und helfen. Helfen? Keine Ahnung wie.
Endlich komme ich auf ein Feld, wo ich mich wieder auskenne. Der Ballon scheint immer noch in der Luft zu sein... Ich renne und renne durch Hörne in Richtung auf eine kleine Wiese, wo die Landung anscheinend von statten geht. Und tatsächlich: Ich sehe den Korb und dahinter den riesigen Ballon. SIE SIND SICHER GELANDET! ENDLICH! 22:10 UHR!
Ich jage auf den Korb zu, dorthin wo Annette eingestiegen war. Welch ein Glück: Sie steht vor mir. Wir liegen uns in den Armen. Sie: Warum schwitzt du so? Ich: War den letzten Weg komplett am Joggen, das Auto steht irgendwo im Wald. (Genauso wahr aber, ich hatte zwischendurch eine Scheißangst um sie).

Landung gegen 22:10 Uhr bei Dunkelheit
23:40 Uhr letztes Foto von Zuhause: die Urkunde "Herzogin der Lüfte"





















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