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Ich lasse dich, ich will es so

  • Writer: Annette Rümmele
    Annette Rümmele
  • 3 days ago
  • 2 min read
Foto:Tobias Rümmele
Foto:Tobias Rümmele

Ungefähr seit meinem fünften Lebensjahr bin ich tief mit meiner Seelenfreundin verbunden. Wir haben uns entdeckt und nie mehr verloren. Auch wenn viel Leben dazwischen kam bei uns beiden.

Aber gibt es sie überhaupt die langlebige, versöhnliche, liebevolle Freundschaft? Mein Anspruch ist hoch, meine Sehnsucht nach der Seelenverwandten, dem Vertrauten immer wieder ungestillt.

Befreundet sein beginnt nicht mit dem ersten Tag. Freundschaften entwickeln sich, entfalten ihren Wert über die Zeit. Sie bieten den Gestaltungsspielraum, den ich im Arbeitsalltag oft nicht habe. Wir entscheiden intuitiv und frei, wie offen, wie nah wie intensiv wir Zeit miteinander verbringen. Wir müssen nicht, wir wollen die Gegenseitigkeit. Wir entscheiden über die Inhalte, die Pflege und die Ausgestaltung unseres Zusammenseins. Freundschaft beruht auf Vertrauen, besonders bei gegensätzlichen Meinungen oder Streitpunkten.

Freundschaft überdauert Zeit, sie verzeiht Fehler und ist unumstößlich positiv. Sie geht trotz aller zu erwartenden Unterschiede vom Wert des Gegenübers aus.

Betrachte ich Freundschaft unter dem Gegenwartsaspekt, kann sie sehr flüchtig sein. Der vertraute Kollege wird als Freund bezeichnet, der Parteifreund, ein zwiespältiges Kapitel, die Freundschaft im Sportverein verbindet gleiche Ziele, die Chorfreundin teilt die Musikbegeisterung. Aus allen Zusammenhängen können sich langjährige Freundschaften entwickeln, Freundschaften die über die ursprüngliche Gemeinsamkeit vielleicht in interessante, von Empathie geprägte Gegensätze münden, die tiefer schürfen, die verzeihen können. Sich befreundet fühlen ist kein Impuls.

Freundschaft ist wie die Liebe, denn sie fordert nichts, sie lässt den anderen. Meine Seelenfreundin ist unendlich verschieden von mir. Wir teilen nicht selten unterschiedliche Ansichten. Trotzdem sind wir tief verbunden und respektieren, wie die andere lebt, was sie tut und denkt. So oft wie möglich teilen wir gemeinsame Zeit, genießen die Stunden der Zweisamkeit, der ungebremsten Übereinstimmung. Egal was kommt, wir lieben uns und das wird auch so bleiben, denn ich lasse sie, ich will es so.


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